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Jan Weiler „Das Vogelhaus“

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Ein Jahr im Leben kann Auswirkungen auf das ganze Leben haben – wer wüßte das besser als Jan Weiler, der so wunderbar vom Leben auf vielfältige Weise erzählen kann. Sein neuer Roman „Das Vogelhaus“ handelt spannend, humorig und ernst von einem düsteren Ort und seinem Einfluss auf ein ganzes Leben.

Leonard Beck ist lediger Theaterdramaturg in Berlin und kehrt – kurzzeitig ohne Beschäftigung – in sein Elternhaus irgendwo im Linksrheinischen zurück. Anlass ist eine Immobilienanzeige, die seine Erinnerungen an seine Zeit als Zivildienstleistender Anfang der Nullerjahre weckt. Eine Zeit, die existentielle Erfahrungen mit sich brachte – gemeinsam mit seinen Kumpels Ari und Patrick kümmern sie sich um alte, kranke und einsame Menschen und lernen deren Schrullen kennen: die geile Gerda etwa, immer eine Anzüglichkeit parat, oder Herrn Berger, der Margarine liebt, oder Frau Hilgers, die als blinde Diabetikerin ständig nach heruntergefallenem Essen sucht. Und um Herrn Schwabe im Vogelhaus, einem düsteren Ort („gemauerte Trauer“), wo vier aggressive Aras mit Futter versorgt werden müssen – und dieses Haus steht nun zum Verkauf. Für Leonard ist es Zeit, dieses dunkle Geheimnis zu lüften und sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen.

„Mein Leben als Mensch“ heißt die Kolumne von Jan Weiler – dieser Roman, sicher auch autobiographisch gefärbt, schildert ein Leben als Zivi. Mit treffenden Beschreibungen, guten schlagfertigen Dialogen und darüber hinaus als charmante Familiengeschichte mit netten Eltern angelegt, illustriert der Roman auch ein Stück vergangener Sozialgeschichte: junge Menschen kümmern sich um Ältere, Hilfsbedürftige. Ein wenig Moral gibt es am Ende auch, in jedem Fall viel Gefühl: denn Leonard hat in genau dieser erfahrungsreichen Zeit als Zivi seinen Lebensmenschen gefunden. Absolut lesenswert!

 

ISBN 978-3-45344371-6   € 24,- 

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